Roman

Daniela Krien „Die Liebe im Ernstfall“

Veröffentlicht am

Diogenes Verlag 2019 / Geb. / 288 Seiten / 22,00 €
Eine Empfehlung von Maurizio Capaldi

Fünf Frauen stehen im Mittelpunkt des neuen Romans von Daniela Krien (Foto: Maurice Haas / © Diogenes Verlag): alle in der ehemaligen DDR aufgewachsen, den Mauerfall als Jugendliche erlebt, Schauplatz „heute“ ist Leipzig. Jetzt fordert sie der Alltag, dessen Bewältigung für keine der Protagonistinnen einfach ist. Jede von ihnen ringt um das Gelingen von Leben und Liebe. Krien beschreibt die Freuden und Leiden dieser Frauen nüchtern, pragmatisch. Die Sparsamkeit in ihrer Sprache kann deren Welt kaum besser treffen. Kein Adjektiv zu viel, dass hier von wesentlichen Aussagen ablenkt. Mit illusionsfreier Ehrlichkeit werden persönliche Tiefpunkte geschildert, und doch bleibt beim Leser ein Gefühl zurück, das positiv stimmt. Die emotionalen Höhen und Tiefen, Liebe und Leid haben nebeneinander ihren Platz. Aus dem Leben gegriffen. Nicht beschönigt, nicht dramatisiert. So wie sie das Leben selbst schreiben könnte. Ein Lesegenuss!

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Kinder- und Jugendbuch

A. Schomburg / D. Mahnkopf „Der Mondfisch in der Waschanlage“

Veröffentlicht am

Tulipan Verlag / Geb. / 36 Seiten / Sonderausgabe 10,00 € / ab 4 Jahren
empfohlen von Nicola Dielkus

Wusstet Ihr, dass Heringe hohe und tiefe Töne pupsen können? Oder habt Ihr schon mal von einem Thermometerhuhn gehört? Und woher hat das Tier bloß seinen komischen Namen? Beim Blaufußtölpel ist es klar, der tölpelt auf blauen Füßen. Wie, Tiere mit blauen Füßen, die gibt es? Die gibt es! Genau wie die weiteren zehn Tiere mit sonderbaren Namen und unglaublichen Eigenschaften, die uns Andrea Schomburg (Foto: Agnieszka Kosakowska) in Reimen und kurzen Sachtexten einprägsam vorstellt. Und die fröhlich farbenfroh frechen Illustrationen von Dorothee Mahnkopf (Foto: Elena Busshoff) sorgen dafür, dass man diese außergewöhnlichen Geschöpfe nie mehr vergisst.

Das diesjährige, nun dritte Junge Buch für die Stadt Köln ist eine ganz besondere (Wieder-) Entdeckung aus dem Fundus der Bilderbücher.

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Kinder- und Jugendbuch

Christelle Dabos „Die Spiegelreisende – Die Verlobten des Winters“

Veröffentlicht am

Suhrkamp Verlag 2019 / Geb. / 535 Seiten / 18,00 €
empfohlen von Lemonie, eine unserer Vor-Leserinen, 14 Jahre alt.

Das Buch war sehr spannend, schön geschrieben und ist Lesestoff für Jugendliche, vor allem für Mädchen. Die Geschichte handelt von Ophelia, eine junge schüchterne Frau, die sich eher hinter ihrem Schal versteckt und lieber von alten Dingen umgeben ist als von Menschen. Dabei hat sie besondere Talente: Sie kann Gegenstände lesen und durch Spiegel reisen. Aber dann erfährt sie, dass sie auf den eisigen und gefährlichen Pol ziehen und dort den Adligen Thorn heiraten soll, einen Mann, den sie gar nicht kennt. Also macht sie sich auf den Weg in ihr neues, unbekanntes Zuhause und ahnt nicht, was sie dort erwartet. Dort wird ihr das Leben nicht leicht gemacht: ihr Verlobter hat viele Feinde, ihre Schwiegerfamilie ist äußerst brutal und hasst sie und um sie herum scheint es nur Geheimnisse zu geben. Ophelia braucht dringend Verbündete, allerdings weiß sie nie, wem sie vertrauen kann und wem nicht …

Das Buch spielt in einer sehr fantasievollen Welt, die mir gut gefallen hat. Außerdem mochte ich, dass es bei Hofe spielt und ein prachtvolles Leben mit viel Luxus beschreibt. Das offene Ende sorgt dafür, dass man unbedingt weiterlesen möchte, vor allem, weil eine bedeutende Veränderung bevorsteht.

Es gibt schon zwei weitere Bände auf Französisch, die im Juli und November 2019 in deutscher Übersetzung erscheinen (Foto © Catherine Hélie, Éditions Gallimard).

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Roman

Mathijs Deen „Unter den Menschen“

Veröffentlicht am

Mare Verlag 2019 / Geb. / 192 Seiten / 20,00 €
empfohlen von Gabi Klinski

Ich habe ein Faible für skurrile Figuren und ebensolche Momente im Alltäglichen, die sperrig sind, nicht perfekt, dabei gut gemeint „daneben“ gehen. Die beiden Protagonisten im Roman des Niederländers Mathis Deen verkörpern genau dieses Bild. Zu Beginn der Geschichte lernt der Leser Jan kennen, jung, Anfang 20, Bauer. Bauernhof „unterm“ Deich nahe der Nordsee, Winter, tiefer grauer Himmel, die Arbeit ist erledigt, weit und breit niemand da zum Reden. Was tun? Seine Eltern haben ihm wenige Monate zuvor – nach einem arbeitsreichen Leben – den Hof vermacht und sind Richtung Süden aufgebrochen, dabei sind sie leider von der Fahrbahn abgekommen.

Jetzt ist Jan allein und auf sich gestellt. Durch eine Kontaktanzeige, pragmatisch formuliert, lernt er Wil kennen. Sie sucht nicht den Kontakt, nicht die Liebe, sondern Ruhe von dem Stadtleben und ein Haus mit Meerblick. Zwei Menschen mit unterschiedlichstem Naturell versuchen zusammen zu finden. Komisch, berührend und gar nicht so fremd ist diese Geschichte von „Sehnsucht, Träumen und Einsamkeit“ (Het Parool).

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Roman

Julien Barnes „Die einzige Geschichte“

Veröffentlicht am

Verlag Kiepenheuer & Witsch 2019 / Geb. / 304 Seiten / 22,00 €
empfohlen von Nina Schramm

Im spießig verklemmten England der Sechziger verliebt sich der 19jährige Paul in die fast 30 Jahre ältere, verheiratete Susan. Nach außen hin ist Paul Susans Tennispartner, doch schon bald durchschaut ihr Umfeld die Fassade. Susan wird in ihrer Kleinstadt vor den Toren Londons zur „persona non grata“, Pauls Eltern sind überfordert und reagieren mit Sprachlosigkeit und Ignoranz. Doch die beiden genießen die gesellschaftliche Ausgrenzung beinahe und auch Susans leidenschaftsbefreitem Ehemann bleibt schließlich nichts anderes übrig, als die Beziehung der beiden zähneknirschend zu tolerieren. Fast ein Jahrzehnt bleiben Susan und Paul zusammen.

Barnes´ Roman ist in drei Teile gegliedert und während der erste vom Liebesrausch des Anfangs erzählt, so der zweite vom Scheitern der Beziehung und der dritte vom Leben danach, auf das der fast 70jährige Paul am Ende zurückblickt.

Ein großartig erzählter Roman über Glück und Schmerz einer großen Liebe, die Barnes im Kontext einer bestimmten Zeit und Gesellschaft klug und zuweilen fast philosophisch reflektiert.

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Veranstaltung

Lale Akgün „Platz da! Hier kommen die aufgeklärten Muslime“

Veröffentlicht am

Mittwoch, 8. Mai 2019 um 20:00 Uhr
Buchvorstellung und Diskussion

Ein Satz des unglücklichen Bundespräsidenten a. D. Wulff, den er im Jahre 2010 äußerte, wurde zum Kristallisationspunkt einer Diskussion, die bis heute in Deutschland anhält. Landauf, landab hören wir seitdem zwei, immer gleiche Sätze: „Der Islam gehört zu Deutschland“ – das ist der Wulffsche Originalsatz und „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ – das ist der Komplementärsatz der Gegner der Wulffschen These. Beide Sätze sind zwar syntaktisch korrekt, semantisch aber völlig inhaltsleer. Es wird nicht im Geringsten deutlich, was sie bedeuten. Aber: Wir müssen uns Gedanken machen über die Zukunft des Islams in Deutschland, als Demokraten dürfen wir uns die Deutungshoheit über das Thema nicht nehmen lassen: weder von den Rechten, noch von den orthodoxen Muslimen.

Über den Islam in Deutschland mit seinen unterschiedlichen Gesichtern, seinen Institutionen in der heimlichen Hauptstadt Köln und den Umgang der deutschen Politik damit diskutieren an diesem Abend die Buchautorin Dr. Lale Akgün und Peter Pauls, Journalist und früherer Chefredakteur des Kölner Stadt Anzeigers.

Dr. Lale Akgün wurde 1953 in Istanbul geboren. Nachdem sie lange in der Erziehungs- und Familienberatungsstelle Köln gearbeitet und anschließend das Landeszentrum für Zuwanderung NRW aufgebaut hatte, saß sie ab 2002 zwei Legislaturperioden im Bundestag (SPD). Anschließend arbeitete sie in der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, seit November 2017 ist sie Senior Researcher an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. 2008 erschien ihr Bestseller Tante Semra im Leberkäseland, der auch verfilmt wurde.

Peter Pauls, Jahrgang 1953, seit Jahresbeginn als freier Journalist tätig, war von Mai 2009 bis Dezember 2016 Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers, danach Chefautor. Nach dem Abitur absolvierte er ein Lehramtsstudium für Gymnasien, anschließend ein Volontariat. Er arbeitete als Lokalredakteur sowie als Afrika-Korrespondent für verschiedene deutsche Tageszeitungen. Danach wurde er stellvertretender Chefredakteur und Redaktionsbeauftragter der Herausgeber beim Kölner Stadt-Anzeiger.

Eintritt: 12 €.
Um Reservierung wird gebeten. Kartenreservierungen nehmen wir ab sofort telefonisch und per E-Mail entgegen.


Kinder- und Jugendbuch

Chris Colfer „Land of Stories: Das magische Land Bd. 1 – Die Suche nach dem Wunschzauber“

Veröffentlicht am

Fischer Sauerländer Verlag 2019 / Geb. / 480 Seiten / 18,00 €
Ein Lesetipp von Lemonie (Vor-Leserin), 13 Jahre alt, für Mädchen und Jungen ab 10/11 Jahren.

Das Buch war spannend, bewegend, fesselnd (ich habe die knapp 500 Seiten an einem Tag gelesen).

Zum Inhalt: Alex und Conner sind Zwillinge. In der Schule weiß Alex auf alles eine Antwort, während Conner in der letzten Reihe einschläft. Aber eins haben sie gemeinsam: Sie lieben Märchen, die ihre Großmutter und ihr Vater früher immer vorgelesen haben. Als die beiden an ihrem zwölften Geburtstag das Märchenbuch ihrer Großmutter geschenkt bekommen, ahnen sie noch nicht, was sich für ein Geheimnis in ihm verbirgt. Aber ein paar Tage später fallen sie durch ein Versehen in das Buch hinein und in eine völlig andere Welt. Nach ein paar Momenten realisieren sie, dass sie in der Märchenwelt gelandet sind! Um wieder zurück nach Hause zu kommen, müssen sie acht bestimmte Gegenstände zusammentragen. Dabei bekommen sie Hilfe von einem freundlichen Froschmenschen, den Königinnen und Königen und anderen Märchenhelden. Allerdings ist auch die böse Königin hinter dem Wunschzauber her und versucht mit allen Mitteln, sie aufzuhalten.

Während der Reise durch die Märchenwelt werden aber auch Geheimnisse gelüftet und die Zwillinge finden erstaunliche Dinge über ihre Familie heraus; auch, dass sie eine große Rolle in der Geschichte dieser zauberhaften Welt spielen…

Das Buch ist sehr schön geschrieben, auch an traurigen Stellen, so dass man mit den Figuren richtig mitfühlt. Einige kleine Details sind vorhersehbar, was aber nicht schlimm für die Geschichte ist. Ich hätte es am Anfang nicht gedacht, aber es hat mit wirklich sehr gut gefallen. Auf Englisch gibt es schon weitere Bände.

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