Roman

Mathijs Deen „Der Schiffskoch“

Veröffentlicht am

mareverlag 2021 / geb. / 108 Seiten / 18 €
Eine Empfehlung von Detlef Gertkamp

Die „Texel“ war das letzte bemannte niederländische Feuerschiff. Mathijs Deen, 1962 in den Niederlanden geboren, Schriftsteller und Radioproduzent, hatte Gelegenheit, ehemalige Mannschaftsmitglieder zu interviewen. Die Gespräche haben ihn zu „Der Schiffskoch“ inspiriert.

Die immer gleiche Routine im Wechsel von vier Wochen Seetörn und zwei Wochen Freitörn bestimmt das Leben auf einem Feuerschiff. Nur die Mittagessen von Schiffskoch Lammert versprechen Abwechslung. Lammert bringt ein lebendes Ziegenböckchen mit an Bord, gedacht für ein Curry-Gericht. „Gebt ihm keinen Namen!“ sagt er allen. Die Mannschaft nennt das Böckchen deswegen „Schmorfleischeintopf“.

Auf Feuerschiffen kamen oft besondere Typen an Bord, die traumatische Erlebnisse mitbrachten. „Schmorfleischeintopf“ bringt die Arbeitsroutine der wortkargen Männer durcheinander. Für die einen ist die Ziege Schmorfleischeintopf, für die anderen ein neuer Kamerad.

Mathijs Deen nimmt uns auf der fest verankerten „Texel“ mit auf eine Reise voller skurriler Begebenheiten. Mit seltsamen Charakteren und einem fröhlichen Ziegenböckchen.

Roman

Claude Anet „Ariane: Liebe am Nachmittag“

Veröffentlicht am

Dörlemann Verlag 2021 / geb. / 272 Seiten / 23 €
Eine Empfehlung von Gabriele Klinski

Claude Anet war Reporter, die russische Revolution erlebte er als Korrespondent des Journal. 1920 erschien sein für den Prix Goncourt nominierter Roman „Ariane, jeune fille russe“, der für viel Aufregung sorgte. Die Geschichte von Ariane, eine junge Frau voller moderner Ideen zur Emanzipation und Liebe, entsprach nicht damaliger Konvention. Jetzt liegt diese zeitlose Liebesgeschichte in neuer Übersetzung vor.

Ariane ist eine glänzende Schülerin, zielstrebig, lebhaft, eigensinnig. Die Männer liegen ihr zu Füßen. Von der Liebe hält sie wenig, empfindet sie als Abhängigkeit, ja Einschränkung. Dennoch genießt sie männliche Gesellschaft, vorausgesetzt: Sie bestimmt die Regeln. Als sie dem älteren Konstantin begegnet, gerät ihre Gedankenwelt ins Wanken: Nicht die Liebe schränkt ihre Freiheit ein, sondern die Furcht davor. Ein moderner Klassiker, herrlich altmodisch und voll sprühender Konversation.

Roman

Alexandra Stahl „Männer ohne Möbel“

Veröffentlicht am

Jung und Jung 2021 / geb. / 240 Seiten / 22 €
Eine Empfehlung von Sophie Wray

Ellie hat ein großes Problem – vor allem mit sich selbst – und viele kleine Probleme – vor allem mit Männern. Vielleicht kann der Schreibkurs der Volkshochschule Berlin helfen, der unter dem Motto „Mein Happy End bin ich!“ läuft, in der man sein Leben als Lieblingsbuch schreibt. Oder Ria, die neue Barkeeperin in der Bar namens Italien, in der Ellie Geschichten über wahrscheinlich existierende Frauen und philosophische Gedanken über Vögel hört. Vielleicht findet sich die Lösung zu allem aber auch in Italien selbst.

In ihrem Debutroman fängt Alexandra Stahl präzise die erdrückenden Gefühle von Unbestimmtheit und Rastlosigkeit ein und der schier endlosen Suche nach dem „Einen“ im Leben, das alles richtet.

Roman

Yishai Sarid „Siegerin“

Veröffentlicht am

Kein und Aber 2021 / geb. / 240 Seiten / 22 €
Eine Empfehlung von Nina Schramm

Der neue Roman des israelischen Schriftstellers Yishai Sarid erzählt von der Militärpsychologin Abigail, deren Aufgabe es ist, Soldaten auf den Krieg vorzubereiten und traumatisierte Soldat*Innen zu behandeln. Abigails Wirkungs- und Lebensraum ist Tel Aviv. Wir lesen von ihrer Arbeit, tauchen in ihr Leben ein. Abigail beginnt zu wanken, als ihr Sohn selbst zum Soldaten wird und sie merkt, wie sich seine Persönlichkeit verändert.

Sie hält inne, als ihr ein ehemaliger Soldat beim Orangenschälen erzählt, wie er Terroristen liquidiert hat. Täglich begegnet sie Menschen, die scheinbar ein normales Leben führen und doch jede Sekunde in den Bombenhagel geraten können. Ein Roman, der eine starke, rational handelnde Frau in einer Gesellschaft zeigt, die modern ist und zugleich täglich mit uralten Mustern und Wunden kämpft.

Roman

Ewald Arenz „Der große Sommer“

Veröffentlicht am

Dumont Verlag 2021 / geb. / 320 Seiten / 20 €
Eine Empfehlung von Nicola Dielkus

Frieders Versetzung ist in Gefahr. Wenn er die Nachprüfung besteht, darf er in die Oberstufe. Aber dazu muss er büffeln, büffeln, büffeln und zwar die ganzen Sommerferien. Um dazu die nötige Disziplin aufzubringen, beschließen seine Eltern, ihn in die Obhut seiner Großeltern zu geben. Vor dem strengen Großvater graut Frieder sehr. Aber irgendeinen Grund muss es doch geben, dass seine geliebte Großmutter diesen Mann geheiratet hat. Und je länger er unter ihrem Dach wohnt, erfährt er über die Beziehung der beiden und über ihre Geschichte, die auch ein Teil seiner eigenen ist.

Vor allem auch: Ihm begegnet die Liebe seines Lebens. Es ist ein Sommer mit Verlusten und Gewinnen, mit Sonnenseiten und Schattenseiten, der unvergesslich bleibt. Diese Geschichte kommt ganz leicht daher und hinterlässt ein glückliches (Lese)-Gefühl.

Roman

Rainer Moritz „Als wär das Leben so“

Veröffentlicht am

Kampa Verlag 2021 / geb. / 208 Seiten / 20 €
Eine Empfehlung von Gabriele Klinski

Der junge, schon viel beachtete Kampa Verlag beginnt in diesem Frühjahr eine neue Reihe und nennt sie „Oktopus“. Dazu der Verlag: »Acht Arme, neun Gehirne, drei Herzen und jede Menge Charme. Ein wunderbar schräges und doch stimmiges Motto für die ersten Oktopus Bücher, die gleichermaßen das Herz erwärmen, den Geist anregen und dabei charmant verpackt sind.“

Der neue Roman von Rainer Moritz fällt für mich in die Kategorie „Herz erwärmen und charmant verpackt“.

Im Mittelpunkt steht Lisa, die wir mit 7 oder auch 8 Jahren kennen lernen und deren Leben wir bis Ende 50 Jahren begleiten. Eine Figur mit viel Temperament, vor allem Konsequenz. Aufgewachsen in einem kleinen Ort im Norden Deutschlands, eine ihr zugewandte Familie – an diesen Ort kommt sie immer wieder gern. Obwohl sie anders lebt als in den vorgesehenen Lebensentwürfen der damaligen Zeit: Allein, berufstätig, unabhängig. Ihr Credo. Lisa weiß, was sie will. Beruflich und in ihren Beziehungen. Es gibt Männer in ihrem Leben, man begegnet sich mit Respekt und Hingabe. Den einen Einzigen an ihrer Seite will sie nicht. Später, älter als Vierzig, gibt es ihn doch, allerdings ist er nicht ganz ihrer. Lisa stört das nicht. Oder doch und anders?

Rainer Moritz erzählt dieses Frauenleben in einem lakonischen Grundton, sensibel mit einem Hauch Melancholie.

Roman

Gabriele von Arnim „Das Leben ist ein vorübergehender Zustand“

Veröffentlicht am

Rowohlt Verlag 2021 / geb. / 220 Seiten / 22 €
Eine Empfehlung von Gabriele Klinski

Selten habe ich in den ersten Wochen des Jahres ein Buch gelesen, dass mich dermaßen „mitgenommen“ hat: Eine Frau erzählt, höchst reflektiert, von entscheidenden zehn Jahren ihres Lebens. Sie ist Ende Fünfzig, als ihr Mann, einige Jahre älter, beruflich nicht mehr aktiv, einen schweren Schlaganfall erleidet, kurz darauf einen zweiten. Er wird zum Pflegefall, kann nicht gehen, lesen, schreiben, sich nicht klar artikulieren. An dem Abend, als der erste Schlaganfall geschah, hatte sie ihm mittags gesagt, dass sie nicht mehr an seiner Seite leben möchte. Jedoch: Im Augenblick des Geschehens wird aus ihr die Frau des Kranken. Die folgenden zehn Jahre leben Sie zusammen bis zu seinem Tod. Fürsorge, Zuwendung, Angst, Rettungsversuche, Aggression, Aufopferung, Zweifel, Wut, Freude, Trauer – all das charakterisiert diesen Lebensabschnitt der beiden. Sie kämpfen, leiden, wüten und erleben sich in neuer Innigkeit.
Gabriele von Arnim erzählt ihre Geschichte mit großer Offenheit, denn: Zitat „Wir brauchen Geschichten, um das Leben zu verstehen“.