Buch für die Stadt und die Region 2021 Das Buch für die Stadt ist eine gemeinsame Literaturaktion von „Literaturhaus Köln“ und Kölner Stadt-Anzeiger.
In diesem Jahr fiel die Entscheidung der Jury auf den Roman der 1972 in Halle geborenen Autorin Jackie Thomae, ihr zweiter Roman, mit dem sie auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2019 stand.
Nina Schramm, in der Buchhandlung bestens vertraut mit der Belletristik, sagt dazu: „Ein Roman über zwei Brüder, Mick und Gabriel, die den gleichen Vater und die gleiche dunkle Hautfarbe haben, jedoch getrennt voneinander aufwachsen und einander nicht kennen. Wir befinden uns im Osten Berlins und begleiten die beiden durch die Vorwendezeit der 80er, durch die Wende und bis in die 2000er Jahre hinein. Beide Brüder leben vollkommen unterschiedliche Leben, haben unterschiedliche Ziele und Moralvorstellungen. Thomae lässt uns am Leben der beiden Brüder teilhaben: Sie erzählt ruhig, klug, unangestrengt und ohne erhobenen Zeigefinger und schafft dabei ein Gesellschaftspanorama, das aktueller nicht sein könnte.“ Moderne zeitgenössische Literatur aus Deutschland. Wichtig und wirklich großartig!
Die Sonderausgabe des Romans erscheint im August im btb Verlag. Im Oktober wird es vom 3. bis 10. Oktober eine Aktionswoche in Köln und der gesamten Region geben.
Hanser Verlag 2021 / geb. / 224 Seiten / 15 € / ab 13 Jahren Eine Empfehlung von Nicola Dielkus
In einer Vorlesung begegnet Sebastian seinem PWW – perfektem weiblichen Wesen. Doch kurz, nachdem er sich traut, ein paar Sätze mit ihr zu wechseln und herausfindet, dass sie Helena heißt, erscheint ihr Freund auf der Bildfläche. Bevor sich seine Enttäuschung breit machen kann, taucht die kesse Frieda auf und mischt sich in das Gespräch ein. Sie stellt sich als Sebastians Freundin aus der Kindheit vor, der er einst das Leben gerettet hat. Das ist die erste Geschichte, die Frieda erfindet und Sebastian immer neugieriger werden lässt. Wer ist dieses Mädchen und welche Geschichten stimmen wirklich? Und was ist mit ihm, wie will er von ihr wahrgenommen werden? Dieser Jugendroman handelt von der Suche nach dem eigenen Ich und den Rollen, die wir im Leben erfüllen sollen und spielen wollen.
Carlsen Verlag 2021 / geb. / 144 Seiten / 12 € / ab 10 Jahren Eine Empfehlung von Nicola Dielkus
Vier Wochen Segeln im Mittelmeer – nur Oskar, seine Eltern und die treue Familienhündin Lucy. Gerade als Oskar darüber nachdenkt, wieviel mehr Spaß und Spannung sein bester Freund jetzt im Fußball-Camp hat, entdeckt er in der Ferne einen rotweißen Rettungsring. Und etwas steckt noch drin: zwei Kinder! Moh und Nala sind auf der Flucht und auf sich allein gestellt. Nach und nach erfahren Oskar und seine Eltern mehr über die mutigen Geschwister und das Leben von Flüchtlingen. Wo sie auch an Land gehen, finden sie niemanden, der die beiden Kinder aufnehmen möchte. Oskar, dem Moh und Nala mehr und mehr ans Herz wachsen, ist das ganz recht. Gemeinsam schmieden sie einen Plan, damit die zwei für hoffentlich immer bei ihnen bleiben können. Diese Geschichte erzählt einfühlsam, wie leicht sich große Probleme aus der Sicht der Kinder lösen lassen.
Moritz Verlag 2021 / Bilderbuch / 36 Seiten / 12,95 € / ab 5 Jahren Eine Empfehlung von Gabriele Klinski
Lilo liebt Pflanzen und weiß viel über sie. Ihr Freund Hein ist Gärtner und wenn sie ihn besucht, reden sie oft darüber, was Pflanzen zum Leben brauchen. Für Hein ist klar „Sonne und Wasser reichen“, Lilo findet, dass sie auch Liebe brauchen und gut behandelt werden müssen. Sie beschließen eine Wette: Beide kümmern sich vier Wochen lang um ein Pflänzchen. Danach wollen sie schauen, welches besser gewachsen ist. Lilo lässt ihr Pflänzchen nicht allein, erzählt ihm Gutenachtgeschichten, spricht mit ihm und unterhält es mit Musik. Hein gießt und sorgt für Licht. Wer wird wohl diese Wette gewinnen? Die Bilderbücher von Antje Damm überzeugen mich jedes Mal durch ihre besondere Technik, Szenenbilder aus Karton zu bauen. So entsteht ein mehrdimensionaler Eindruck und gibt den Bildern ihre charakteristische Lebendigkeit.
Rowohlt Verlag 2021 / geb. / 220 Seiten / 22 € Eine Empfehlung von Gabriele Klinski
Selten habe ich in den ersten Wochen des Jahres ein Buch gelesen, dass mich dermaßen „mitgenommen“ hat: Eine Frau erzählt, höchst reflektiert, von entscheidenden zehn Jahren ihres Lebens. Sie ist Ende Fünfzig, als ihr Mann, einige Jahre älter, beruflich nicht mehr aktiv, einen schweren Schlaganfall erleidet, kurz darauf einen zweiten. Er wird zum Pflegefall, kann nicht gehen, lesen, schreiben, sich nicht klar artikulieren. An dem Abend, als der erste Schlaganfall geschah, hatte sie ihm mittags gesagt, dass sie nicht mehr an seiner Seite leben möchte. Jedoch: Im Augenblick des Geschehens wird aus ihr die Frau des Kranken. Die folgenden zehn Jahre leben Sie zusammen bis zu seinem Tod. Fürsorge, Zuwendung, Angst, Rettungsversuche, Aggression, Aufopferung, Zweifel, Wut, Freude, Trauer – all das charakterisiert diesen Lebensabschnitt der beiden. Sie kämpfen, leiden, wüten und erleben sich in neuer Innigkeit. Gabriele von Arnim erzählt ihre Geschichte mit großer Offenheit, denn: Zitat „Wir brauchen Geschichten, um das Leben zu verstehen“.