Kein&Aber Verlag 2026 / Geb. / 263 Seiten / 26 €
Eine Empfehlung von Gabriele Klinski
Was für eine herrlich verschrobene kluge unterhaltsame Geschichte, ein Streit unter Wissenschaftlern als Herausforderung für einen Hoteldirektor. Der Roman spielt im Jahr 1920 in Bad Nauheim. Schauplatz des Geschehens ist der „Rastende Kranich“, ein traditionsreiches Hotel, in dem Bismarck schon seinen Tee zu sich nahm, mittlerweile jedoch etwas angestaubt und schon seit längerem unter Gästeschwund leidend. Hier in Bad Nauheim findet nun die Versammlung Deutscher Naturforscher mit mehr als 2.000 Teilnehmern statt.
Die Quartiere des kleinen Kurortes sind ausgebucht, so auch das Hotel „Rastender Kranich“. Dort wird allergrößter Wert auf Traditionspflege gelegt, moderne Möglichkeiten wie Reklameanzeigen werden strikt abgelehnt. Als Direktor Kleeberger erfährt, dass zwei berühmte Wissenschaftler, Albert Einstein und Philipp Lenard, die bei ihm im „Rastenden Kranich“ logieren, heftig verfeindet sind, hat er die Idee, den Streit zwischen den beiden zu schlichten. In Folge soll dann in allen Zeitungen darüber berichtet werden und sein Haus erhält endlich wieder die Aufmerksamkeit, die ihm gebührt. Ein ambitionierter Plan, in dessen Folge das Chaos seinen Lauf nimmt. Dabei ist Ruhe das oberste Gebot für Direktor Kleeberger und sein Hotel! Der Direktor versucht das Unmögliche, er will den Streit der beiden Wissenschaftler schlichten. Bei dem geht es weniger um persönliche Animositäten sondern um den heftigen Widerstand deutscher Forscher gegen Einsteins Relativitätstheorie, Lenard gegen Einstein. Ein aussichtsloses Unterfangen, führt doch jeder Schlichtungsversuch Direktor Kleebergers zu noch mehr Komplikationen.
Mit bewundernswerter Leichtigkeit und einer unwiderstehlichen Komik erzählt Daniel Mellem, promovierter Physiker, äußerst kenntnisreich und gut recherchiert von dieser historischen Begebenheit. Beste Unterhaltung!